Das Erdbeben in Chile hat besonders bei unseren Familien, Freunden und Kollegen in Europa Sorge ausgelöst.
Inzwischen hat sich die Lage weiter stabilisiert. Polizei, Zivilschutz, Militär, Straßenbauer und freiwillige Helfer sowie die Reparaturteams der Strom- Wasser und Telekommunikationsdienstleister sind im Einsatz und sorgen dafür, daß die Grundversorgung mit Lebensmitteln, Medikamenten, medizinischer Betreuung wiederhergestellt wird. Es gibt wieder Flüge zischen den Regionen und Santiago, die Panamericana ist wieder durchgehend befahrbar und in Kürze können auch die zwei beschädigten Raffinerien im Großraum Concepción die Arbeit wieder aufnehmen. Hier in Osorno importieren wir Treibstoff direkt aus Argentinien über den Andenpass Cardenal Samoré, so daß auch die gerade auf Hochtouren laufende Getreideernte wieder in vollem Umfang weitergeführt werden kann (Mähdrescher verbrennen ca. 300 Liter Diesel am Tag…)
Natürlich ist unser Land extrem schwer beschädigt - aber im Hinblick auf die Amplitude des Bebens ist die Sache noch glimpflich abgegangen. Für die Aufbauarbeit werden mehrere Jahre veranschlagt.
(ff. Erster Bericht vom 01.03.)
Die Berichterstattung - vor Allem im SPIEGEL - ist leider sehr einseitig. Bilder zeigten Aufstand und Militärische Gewalt gegen Opfer; tatsächlich war es aber so, daß Polizei und Militär klare Unterschiede zwischen Plünderern und Kriminellen machen. Wer Nahrungsmittel für den Eigenbedarf aus geschlossenen Supermärkten holt, wird nach einer kurzen Kontrolle mit der “Beute” weitergeschickt.
Aus den Gefängnissen entlaufene Häftlinge (z.T. Schwerstkriminelle) organisieren in den Vorstädten Mobs und überfallen intakt gebliebene Wohngebiete, in denen sich Notwehrgemeinschften organisiert haben.
Dies alles gibt natürlich hervorragendes Material für eine farbenfrohe und actiongeladene Berichterstattung ab. Ein riesiger Schaden für Chile, das so als rechtsfreies und gewalttätiges Dritte-Welt-Land abgestempelt wird.
Übergriffe sind eine Realität. Im Gesamtkontext der Katastrophe werden sie jedoch von den europäischen Medien verzerrend ind den Vordergrund gestellt.
Wer wissen will, was wirklich geschieht, kann unter http://www.emol.cl ( “El Mercurio Online”, in spanischer Sprache) konstant aktuelle Meldungen der Geschehnisse abrufen. Das gibt dann ein wesentlich klareres und objektiveres Bild.
Geologische Fakten zum Großbeben hier:
